
Es gibt unzählig viele Wege nach Machu Picchu. Wenn man sich gönnen möchte kann man mit dem Zug fahren, für die mit weniger Geld gibt es einen Bus, es werden Tagestouren angeboten oder man kann eben zu Fuß gehen. Es gibt inzwischen einige Varianten wie man in vier oder fünf Tagen zum Machu Picchu wandern kann, eine davon ist der Salkantay Trek. Er heißt so, da man dabei den Gletscher Salkantay passiert. Er ist die beliebteste Variante nach dem Inka Trail und auch wir haben uns für diese fünf tägige Wanderung entschieden. Da gerade Regenzeit und daher auch Nebensaison ist, ist der Trek nicht so überlaufen wie im Winter, leider hat man aber auch schlechteres Wetter und daher auch eine schlechtere Sicht. Wir waren aber gut vorbereitet und sehr gespannt was uns in den nächsten fünf Tagen erwarten würde.

Tag 1
Am ersten Tag wurden wir um 4 Uhr im Hostel abgeholt. Nach einem kleinen Frühstück ging es dann zu unserem Startpunkt der Wanderung. Dort wurden wir in zwei Gruppen von jeweils 16 Personen eingeteilt und durften den Großteil unseres Gepäcks Pferden abgeben. Unsere Gruppe bestand aus einigen Engländern, zwei Chilenen, einem Schweden, zwei Brasilianern, zwei Indern, einer Tschechin und noch einer Deutschen, der Altersunterschied war auch ok, fast jeder war irgendwo in seinen Zwanzigern und wir haben uns alle super verstanden, unsere zwei Guides waren ebenfalls super nett. Der erste Tag war von der Wanderung her der Entspannteste. Wir liefen etwa fünf Stunden zu unserer ersten Unterkunft. Der Weg war ab und an etwas anstrengend, da es steil bergauf ging und wir wandern auf dieser Höhe (3800 Meter) nicht gewohnt waren. Trotzdem kamen wir alle gut gelaunt und nur etwas nass, es hatte die ganze Zeit genieselt aber nicht geregnet, in unserem ersten Camp an und waren von den Zelten gleich positiv überrascht. Denn es waren keine Zelte sondern kleine Holzhütten auf Stäben, die uns in der Nacht gut trocken und warm hielten. Nach dem Mittagessen konnte man freiwillig noch zu einer Lagune in der Nähe laufen. Das war ein einstündiger Aufstieg der gefühlt anstrengender war als die fünf Stunden laufen davor. Aber es hatte sich gelohnt! Die Lagune Humantay sah mit ihrem blauen Wasser unglaublich schön aus, vor allem da man über ihr Gletscher beim schmelzen beobachten konnte. Da wir am nächsten Tag den Salkantay Pass überqueren würden, sind wir alle sehr früh schlafen gegangen, denn um fünf Uhr ging es schon weiter.

Tag 2
Tag zwei war der anstrengendste Tag. Heute hieß es etwa 1000 Meter nach oben gehen um den Salkantay Pass zu überqueren. Um sechs Uhr ging es nach einem kurzen Frühstück los. Etwa fünf Stunden liefen wir nach oben, es nieselte die ganze Zeit, aber zum Glück schüttete es nicht, denn auch so war es eisig kalt. Durch das schlechte Wetter konnten wir die Aussichte leider gar nicht genießen denn alles war von Nebel verhangen. So liefen wir vorbei an Gletschern und Bergspitzen ohne sie bestaunen zu können, auch als wir endlich oben angekommen waren konnte man die anderen Berge kaum erkennen. Auf der Bergspitze erzählte unser Guide uns kurz über die Bedeutung dieses Passes für die Inkas, die hier ein Ritual abhielten und wir spielten das Ritual kurz nach. Das Ritual bestand daraus Koka Blätter in die Luft zu halten in Richtung der vier Berge und sich bei ihnen allen zu bedanken, dann musste man sich etwas wünschen und aus den Steinen, die wir alle den Berg hochtragen mussten, bauten wir einen Steinturm und klemmten die Kokablätter dort ein. Da wir alle unglaublich durchfroren waren, machten wir uns relativ schnell an den Abstieg, viel zu sehen gab es ja auch nicht. Jetzt hieß es drei/vier Stunden nach unten zum Mittagessen. Dort angekommen waren wir alle einfach nur froh drinnen zu sein, denn kaum hatten wir die Hütte betreten fing es an richtig zu schütten. Gut das wir, da wir so schnell gelaufen waren, einige Stunden dort bleiben konnten. Nach dem Mittagessen kamen wir dann relativ bald in die neue Klimazone. Ab jetzt begann der Dschungel und dadurch auch subtropisches Wetter. Was vor einigen Stunden noch kaum vorstellbar war, wurde jetzt zur Realität und jeder zog seine Wintersachen so schnell wie möglich aus. Unsere zweite Unterkunft war ein Hostel, in dem wir alle in Betten mit unglaublich gebogenen Matratzen schliefen. Hier bemerkten wir auch zum ersten Mal den Klimawechsel daran, dass wir alle nachts unglaublich viele Falter und Mücken in unseren Zimmern hatten. Auch hier gingen wir alle früh schlafen, da wir alle von der Wanderung ziemlich erledigt waren und es am nächsten Tag auch um sechs wieder los ging.

Tag 3
Ab heute sollte es wesentlich entspannter werden. Am dritten Tag hatten wir nur eine fünf stündige Wanderung zum Mittagessen vor uns, danach würden wir mit dem Bus weiterfahren. Zuerst verlief unsere Wanderung etwas stockend, denn schon nach einigen Minuten wurden wir am weitergehen gehindert. In der Nacht hatte es durch den Regen einige Erdrutsche gegeben, die jetzt von einem Bagger beseitigt werden mussten, bevor man die Straße wieder nutzen konnte. So mussten wir erst einmal eine halbe Stunde bei den Aufräumarbeiten zuschauen, bevor wir richtig loslaufen konnten. Der Weg verlief die ganze Zeit durch den Dschungel und es wurde schnell unglaublich warm, sodass die meisten nur noch in kurzer Hose und Tshirt weiter liefen. Wir durchquerten einige Flüsse, der Weg war generell ein ewiges hoch und runter, und sahen zum ersten Mal Avocadobäume, Banananenstauden und vieles mehr. An unserem Endpunkt des heutigen Treks wurden wir dann in Minibussen abgeholt und zum Mittagessen gebracht. Dort verabschiedete sich dann ein Teil der Gruppe, der Teil der die Wanderung in nur vier Tagen machen würde. Nach dem Mittagessen sollten wir kurz in unser Camp fahren und dann weiter zu Thermalquellen. Da es auch heute etwas geregnet hatte waren einige Straßen mit Wasser überlaufen, was unseren Fahrer aber kaum störte. Er raste lustig vor sich hin, mit dabei seine Playlist von 2000er Songs. Nach einiger Zeit wurden wir dann aber von einem Baustellenkipper aufgehalten. Der wollte eine Straße nach oben fahren, blieb aber immer im Schlamm stecken. Wir sahen erst ein paar Minuten zu wie das Fahrzeug vergeblich nach oben fahren wollte und stiegen dann aus um mitzuhelfen. Der Kipper wurde jetzt von etwa zwanzig Männern erst nach oben geschoben und als das nicht funktionierte nach oben mit Seilen gezogen. Leider war auch der Versuch vergeblich und das einzige was wir erreichen konnten war, dass die Straße wieder so frei war, dass die wartenden Autos vorbeifahren konnten. So konnten wir dann doch eine halbe Stunde zu spät, kurz unsere Sachen im Camp ablegen und weiter zu den heißen Quellen fahren. Die taten einfach unglaublich gut gegen den Muskelkater und halfen dabei die Laune aller zu heben. Denn abends gab es dann ein Lagerfeuer und eine kleine Feier. Alle tranken und tanzten zusammen mit den Guides bis spät in die Nacht, obwohl wir am nächsten Tag wieder um sechs Uhr aufstehen mussten. Die zweite Nacht war auch die einzige in der wir wirklich in Zelten schliefen, allerdings standen die alle überdacht, damit wir nicht nass werden würden.

Tag 4
Am vierten Tag war wirklich niemand fit um sechs Uhr aufzustehen. Da half auch nicht der Kokatee mit dem wir wie jeden Tag geweckt wurden. So saßen dann alle mit leichten Hangover am Frühstück und mussten sich für eine der drei Optionen entscheiden. Drei Stunden laufen, Bus fahren oder Ziplinen gehen. Wir entschieden uns mit etwa 16 anderen dazu zu laufen. Allerdings bereuten wir das schon nach einiger Zeit. Denn der Weg den wir liefen war eine Schotterstraße in der prallen Sonne, und das drei Stunden lang, übermüdet und einige verkatert. Die Stimmung war dementsprechend schlecht und nur ein Hund der den gesamten Weg mit uns ging konnte uns alle aufheitern. Wir kamen dann ziemlich früh an unserem Mittagessenspot an, die Leute aus dem Bus waren bereits da und jeder fragte sich, wieso wir um sechs hatten aufstehen müssen, nur damit wir jetzt vier Stunden auf das Mittagessen warten konnten. Also nutzen wir alle die Zeit eine Runde zu schlafen, bevor es danach dann drei weitere Stunden nach Agua Calientes ging, dem Dorf von Mach Picchu. Die Strecke war leider auch nicht viel besser. Jetzt ging es drei Stunde lang in der Sonne an Bahngleisen entlang, auf denen ab und an ein Zug vorbei fuhr. Ab hier bemerkten wir dann auch die Sandfliegen, kleine Fliegen die rote Stiche zurücklassen, die zum Glück wenigstens nicht juckten. Als wir in Aguas Calientes ankamen, waren wir alle froh da zu sein. Die letzte Nacht schliefen wir in einem Hotel und gingen davor noch alle zusammen essen. Am nächsten Tag würde es endlich nach Machu Picchu gehen, dafür mussten wir aber um 4:30 aufstehen.

Tag 5
Endlich war es soweit, der Tag wegen dem wir alle hier waren, war gekommen. Müde liefen wir um 4:30 die halbe Stunde zum Eingang des Machu Picchu. Um auf den Berg zu kommen gab es zwei Optionen: Bus oder eine Stunde Treppen steigen. Wir hatten uns für die 1900 Treppenstufen entschieden und warteten nun bis fünf Uhr um als erstes nach oben zu gehen. Was ich nicht wusste, war das diese 1900 Treppenstufen die absolute Höllenqual waren. Noch nie war ich so erschöpft vom laufen, ich musste gefühlt jede fünf Minuten eine Pause machen, an all den anderen Tagen hatte ich mich nicht so anstrengen müssen und neben mir hüpfte Frane die Treppen fröhlich nach oben und machte Bilder. Wenigstens war ich nicht die einzige die sich sichtbar quälte, fast jeder zweite machte alle paar Minuten Pause, und so konnte ich wenigstens die Aussicht genießen. Am Ende waren wir dann aber doch schneller oben als gedacht und durften nach dem offiziellen Eingang noch ein paar Stufen gehen um endlich Machu Picchu zum ersten Mal zu sehen. Es war genauso beeindruckend wie gedacht.

An der ersten Aussichtsplattform konnte man die ganze Stadt von oben betrachten. Am Beeindruckendsten war nicht die Stadt an sich, sondern die Umgebung in der sie gebaut war. Unglaublich weit oben und umringt von Bergen. Wir hatten unglaubliches Glück mit dem Wetter. Die Sonne schien die gesamte Zeit und es gab kaum Nebel der uns die Sicht nahm. Erst wurden unzählig viele Fotos gemacht und dann erzählte uns unser Guide noch die Geschichte der Stadt. Was ich am interessantesten fand war, dass die Stadt von den Inkas verlassen wurde, nachdem die Spanier in Cusco einmarschiert waren. Damit niemand die Stadt finden würde, zerstörte ein Inka jede Brücke und jeden Weg, was der einzige Grund ist, weshalb die Stadt so gut erhalten ist.
Die Stadt zu erkunden war ebenfalls sehr spannend. Inzwischen waren allerdings viel mehr Menschen da und wir waren echt froh, dass wir so früh gekommen waren und so eine der Ersten waren, die oben angekommen waren. Nachdem uns erzählt wurde das in der Hochsaison etwa 500 Menschen pro Stunden hierher kommen würden, waren wir doch recht froh, dass wir die gesamte Wanderung in der Nebensaison gemacht haben, denn auch so waren es schon genug Menschen für den engen Raum.

Durch die Stadt zu laufen war ebenfalls ziemlich beeindruckend. Sich vorzustellen, dass hier Menschen vor mehr als 500 Jahre so etwas aufgebaut hatten und hier gelebt haben, war unvorstellbar. Die Häuser waren alle aus losen Steinen gebaut, die aber so ineinander passten, dass die Konstrukte bis heute halten, und das dann auch noch auf so einer Höhe! Der Ausblick den die Inkas jeden Tag hatten nicht zu vergessen, der war schon atemberaubend.

Nach Machu Picchu ging es dann noch einmal drei Stunden an den Zuggleisen entlang zurück nach Hidroelectrica. Dort wurden wir dann nach einem kurzen Mittagessen in Minibusse gesetzt und durften uns auf eine sechsstündige Busfahrt nach Cusco freuen. Die Busfahrt dauerte so lang, weil Teile der Strecke ziemlich schwer zu fahren sind und man daher langsam fahren muss. Unseren Fahrer interessierte das allerdings wenig. Er fuhr wie ein Verrückter und telefonierte dabei noch. So waren wir alle einfach nur noch froh in Cusco angekommen zu sein. Kaputt von den vielen Tagen wandern wollte jeder nur noch schlafen. Cusco begrüßte uns mit strömendem Regen und so liefen wir ziemlich schnell zu unserem Hostel und der langersehnten Dusche.

Im Nachhinein sind wir froh die fünftägige Wanderung gemacht zu haben. Die Wanderung war einfacher als gedacht. Wir hatten beide etwas Bammel davor wie es wohl sein würde fünf Tage am Stück zu laufen, da wir sonst bisher maximal zwei unterwegs gewesen waren. Aber die Wanderung war wirklich machbar, auch der zweite Tag und durch unsere ziemlich coole Gruppe auch wesentlich erträglicher. Das Einzig wirklich schade war, dass wir die meisten Tage eine ziemlich schlechte Sicht hatten und so die Natur kaum genießen konnten, da alles voll mit Neben war. Dabei hatten wir sogar relativ viel Glück mit dem Wetter, denn es hat nie wirklich lang am Stück stark geregnet. Und man muss wirklich sagen, dass in der Nebensaison viel weniger Touristen unterwegs sind, sowohl auf dem Trek als auch in Machu Picchu, was uns beiden sehr gut gefallen hat, dafür haben wir dann das schlechte Wetter doch gerne in Kauf genommen.